Klimaneutral reisen – Geht das?

Antonia

written by Antonia • September 4, 2019

Greta Thunberg erreichte vor Kurzem New York, nachdem sie innerhalb von 15 Tagen den Atlantik auf einer Segelyacht überquerte. Diese mutige Initiative regt uns zum Nachdenken über unsere Reisegewohnheiten sowie deren Auswirkungen auf die Umwelt an.

Lokaler – langsamer – nachhaltiger und authentischer: Für diese Werte steht Sailsquare, Europas Plattform #1 für Segelreisen. Vor dem Hintergrund klimafreundlichen Reisens, hat das Unternehmen einen Vergleich der CO2-Emissionen verschiedener Arten der Fortbewegung vorgenommen. Die Berechnungen zeigen: Komplett emissionsfrei zu reisen ist nahezu unmöglich. Es gibt jedoch Mittel und Wege, den ökologischen Fußabdruck einer Reise zumindest auf ein Minimum zu reduzieren.

Reisen ohne CO2-Ausstoß ist eine Utopie

Fahrradfahren und Wandern sind zweifelsohne die umweltfreundlichsten Mittel der Fortbewegung. Trotzdem ist es unrealistisch zu glauben, dass wir künftig nur noch mit dem Rad oder zu Fuß in den Urlaub aufbrechen. Greta Thunbergs Atlantiküberquerung hat nicht dazu geführt, dass künftig niemand mehr in ein Flugzeug steigen wird. Eines hat der von vielen scharf kritisierte Segeltörn jedoch mit Sicherheit: Er hat Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema generiert und zeigt, dass sich an unseren Lebens- und Reisegewohnheiten etwas ändern muss.

Fliegen setzt 7x mehr CO2 frei als Zug-, Busfahren oder Fahrgemeinschaften

Versuche deshalb, wann immer du kannst, auf das Fliegen zu verzichten und auf Bus, Bahn oder auf Mitfahrgelegenheiten auszuweichen. Als generelle Faustregel gilt: Flüge von weniger als 700 km Distanz sollten grundsätzlich vermieden werden. Rechnest du nicht nur die bloße Flugzeit sondern auch die Anreise und Wartezeit am Flughafen, bist du beispielsweise schneller mit dem Zug von München in Paris als mit dem Flugzeug. Das europäische Eisenbahnnetz ist sehr gut ausgebaut und punktet mit einer hohen Dichte an Hochgeschwindigkeitsstrecken. Außerdem lassen sich Städte und Regionen, die nicht mit dem Zug erreichbar sind. mit dem Bus bereisen – und das häufig zu einem unschlagbaren Preis. Schließlich ermöglichen Plattformen für Fahrgemeinschaften, wie Blablacar, ein breites Angebot an Mitfahrgelegenheiten und somit eine verantwortungsvollere und umweltfreundlichere Art der Mobilität.

Segeln ist die umweltfreundlichste Art und Weise, um Inselarchipele zu entdecken

Korsika, die Balearen, die Kykladen oder Sardinien… Die Beliebtheit dieser wunderschönen Urlaubsdestinationen steigt von Jahr zu Jahr. Der Massentourismus bleibt jedoch nicht ohne Folgen für die Umwelt. Die Alternative: Segelreisen! Der Vergleich zeigt, dass Segeltörns bis zu 6x ökologischer sind als eine Fahrt mit der Fähre. Außerdem sind Segelurlaube circa 18x umweltfreundlicher als eine Kreuzfahrt. Der geringe Schadstoffausstoß sowie das sparsame Leben an Bord, machen den Urlaub auf einer Segelyacht nachhaltig: „Auf einem Segelboot entsteht eine Art Mikro-Gesellschaft, die vor allem durch die Einsparung von Wasserreserven, den limitierten Stromverbrauch sowie durch die Verwendung frischer und lokaler Produkte an Bord geprägt ist. Alle Ressourcen müssen auf einer Segelreise sparsam verwendet werden, weshalb es nicht möglich ist, längere Duschen zu nehmen, das Licht brennen zu lassen oder stundenlang vor einem Bildschirm zu sitzen“, fügt Maxime Courtaigne, International Manager von Sailsquare, hinzu.

Kreuzfahrtschiffe sind Umweltsünder

Wie der obenstehende Vergleich zeigt, sind Kreuzfahrtschiffe die umweltschädlichste Art zu reisen. Trotzdem sind Kreuzfahrten vor allem unter deutschen Urlaubern äußerst beliebt. Deutschland gilt als die Kreuzfahrernation Europas mit 2,2 Millionen Reisenden im Jahr 2018 (Ozean Kreuzfahrten). Dabei sind die Schiffe noch belastender für die Umwelt als Flugzeuge. Eine aktuelle Studie der Organisation France Nature Environnement zeigt, dass ein Kreuzfahrtschiff im Hinblick auf die Luftverschmutzung bis zu einer Million Autos gleichkommt. Die Feinstaubbelastung und Stickstoffdioxidemissionen eines Kreuzfahrtschiffes sind enorm, ganz zu schweigen von weiteren negativen Folgen für die Umwelt, die mit den schwimmenden Städten einhergehen: Sie deponieren Abfälle auf See, sind eine Lärmbelastung für Meerestiere und unterstützen oft ein verschwenderisches Leben an Bord.

Das Auto ist nicht für den Nahverkehr geeignet

Der CO2-Ausstoß einer Reise beschränkt sich nicht nur auf die Anreise, sondern betrifft auch Aktivitäten vor Ort. In dem obenstehenden Vergleich wird deutlich, dass das Auto nicht die beste Wahl für einen verantwortungsvollen Urlaub ist. Zumindest für Kurzstrecken sollte auf das Fahrrad oder auf den örtlichen Nahverkehr (Bus, Bahn) zurückgegriffen werden. Interessant ist jedoch, dass ein Roadtrip mit einem vollen Auto (4 Passagiere) der Kohlenstoffbilanz einer Bus- und Zugreise nahezu gleichkommt. Schließlich ist das Segelboot eine ausgezeichnete Alternative für Ausflüge. Bestimmte Länder wie Kroatien, Italien oder Frankreich lassen sich so auf originelle Weise und abseits der ausgetretenen Pfade erkunden.

4 Tipps, den ökologischen Fußabdruck deiner Reise zu minimieren

Slow Travel: Nimm dir Zeit

In unserer Welt, in der sich alles immer schneller dreht, ist von Zeit zu Zeit eine Pause nötig. Im Bereich Tourismus hat sich deshalb das Konzept des Slow Travelling entwickelt. Es bedeutet nichts anderes, als langsames Reisen; sich Zeit nehmen. Wir empfehlen dir, vor deiner nächsten längeren Flugreise das Verhältnis der Distanz zur Dauer deiner Reise abzuwägen. Lohnt es sich wirklich, für nur 7 Tage in die Karibik zu fliegen oder kannst du dir eventuell eine vierwöchige Auszeit nehmen, um gleich mehrere Inseln zu entdecken? Häufig scheitert dies an der Zeit. Ein Problem, welchem sich inzwischen immer mehr Arbeitgeber bewusst werden und neue Konzepte wie das Sabbatjahr einführen. Ein Sabbatjahr ist eine einjährige Auszeit, welche du für lange Reisen nutzen kannst. Ohne Zeitdruck, sind durchaus auch Fernreisen mit dem Zug, Bus oder auch mit einem Segelboot denkbar. Wie wäre es beispielsweise mit einem Traintrip nach China oder mit einer Segelreise in die Karibik?

Reise bewusst und nachhaltig

Im Urlaubsland angekommen, kannst du durch dein Verhalten vor Ort viel zum Schutz unseres Planeten beitragen. Kaufe ökologische Sonnen- und Duschcreme, um das Meer nicht zu verschmutzen und respektiere die örtliche Tier- und Pflanzenwelt. Versuche lokale Produkte zu kaufen, dich von saisonalen Früchten und Gemüse zu ernähren und deinen Fleischkonsum einzuschränken. Kürzere Strecken kannst du auch im Urlaub zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem örtlichen Nahverkehr zurücklegen. Achte darüber hinaus bei der Buchung deiner Unterkunft darauf, dass diese ökologischen Standards entspricht. All diese Dinge tragen dazu bei, deinen Urlaub so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Und wie wäre es damit, die neuen, guten Gewohnheiten direkt mit nach Hause in deinen Alltag zu nehmen?

Wähle nahegelegene Ziele

Meist fällt uns erst, wenn wir nach Reisetipps in unserer Heimat gefragt werden auf, dass wir ferne Länder oft besser kennen als unser eigenes. Dabei gibt es auch in Deutschland und innerhalb Europas unzählige versteckte Perlen zu entdecken. Wandere beispielsweise von Deutschland nach Italien und entdecke die atemberaubende Alpenlandschaft oder mache dich vom Norden Deutschlands aus mit einem Segelboot auf in Richtung Dänemark, Schweden und Co. Die zahlreichen Möglichkeiten, die dir bei einem Urlaub innerhalb Europas offenstehen, werden dich überraschen. Entdecke nahegelegene Ziele aus einer neuen Perspektive und besuche zum Beispiel abgelegene Traumstrände und unbewohnte Inseln direkt vor der Haustür.

Kompensiere Flüge und werde dir über deren Folgen bewusst 

Es ist zweifelsohne schwierig, komplett auf das Fliegen zu verzichten. Vor jeder Reise solltest du deine Entscheidung für oder gegen einen Flug jedoch entsprechend der Reihenfolge: vermeiden, reduzieren, kompensieren, abwägen. Das heißt, wann immer du kannst, solltest du auf Flugreisen grundsätzlich verzichten. Den Berechnung der Website Myclimate zufolge werden auf einem One-Way Flug von München nach New York beispielsweise 1000kg CO2 pro Person ausgestoßen! Solltest sich eine Flugreise trotzdem nicht vermeiden lassen, gibt es die Möglichkeit, deinen Schadstoffausstoß durch Kompensationszahlungen auszugleichen. Hierfür findest du verschiedene Organisationen wie beispielsweise MyClimate oder Atmosfair.

Studie: Ergebnisse und detaillierte Berechnungen

Die wichtigsten für diesen Bericht verwendeten Informationsquellen:

  • BEIS UK: für alle Informationen über CO2-Emissionen durch Verkehrsmittel
  • Vestforsk: für Informationen über die CO2-Emissionen von Fahrgastschiffen

Die Daten zu den Emissionen einer Segelreise wurden nach diesen Annahmen berechnet: