Das Gefühl purer Freiheit: Mitsegeln in Kroatien mit Skipper Tomas

September 6, 2019

„Ich lebe zwar offiziell in München, bin aber im Kopf und im Herzen ständig auf dem Meer – am liebsten natürlich beim Segeln. Als begeisterter Fahrtensegler segele ich nun schon seit über dreißig Jahren, hauptsächlich im Mittelmeer. Wir verbringen soviel Zeit wie nur möglich dort auf unserem Boot, um die kroatische Inselwelt seglerisch und genießerisch zu erkunden. Im Jahr legen wir bei unseren Törns hier ca. 1.500 Seemeilen zurück. Vor diesem Hintergrund kennen wir die wunderschönen kroatischen Inseln und Küsten inzwischen sehr gut, speziell im Bereich der Nord- und Mitteladria, und können den Mitreisenden die schönsten Häfen, malerischsten Buchten und natürlich auch die besten und urigsten Restaurants mit kroatischen Spezialitäten zeigen.“ – Tomas

Interview mit Tomas:

Seit wann segelst du?

Ich habe relativ früh segeln gelernt. Mit crica 18 Jahren habe ich angefangen Jollen und Kreuzer auf Binnenseen zu segeln. Seit circa 30 Jahren bin ich jetzt als Fahrtensegeler mit größeren Schiffen auf dem Meer unterwegs.

Wie hat es dich von Deutschland ans Mittelmeer verschlagen?

Ich bin im Saarland aufgewachsen. Aufgrund der historischen Vergangenheit der Region hatte ich schon immer eine gewisse Frankreich-Affinität.

Mit Anfang 20 haben mich Freunde auf einen Segeltörn an der Cote d’Azur in Südfrankreich mitgenommen. Das hat mir so viel Spaß gemacht und so gut gefallen, dass ich ich gleich im Anschluss damit begonnen habe, alle notwendigen Segelscheine zu machen. Man kann sagen, dass mich eine Kombination aus meiner Liebe zu Frankreich sowie meine Leidenschaft für das Meer zum Segeln im Mittelmeer gebracht haben.

Wo segelst du heute?

Heute ist mein Hauptrevier Kroatien.

Was gefällt dir am Segeln in Kroatien?

Zum einen finde ich das Revier fantastisch. Die kroatische Inselwelt mit über 1000 Inseln eignet sich perfekt für das Fahrtensegeln und man kann entsprechend tolle Touren machen. Die Landschaft ist wunderschön, das Wasser kristallklar und es gibt unzählige Möglichkeiten, um nicht nur in Marinas anzulegen, sondern auch, um in Buchten zu ankern und die Natur hautnah zu erleben. Das findet man in wenigen anderen Revieren.

Zum anderen mag ich das Segeln in Kroatien aufgrund der guten Infrastruktur. Die Marinas sind super organisiert: Die Dichte der Marinas sowie deren Modernität sind toll und der Empfang ist klasse.

Wie sieht der Verlauf deines typischen Tages an Bord aus?

Ich liebe es an einem schönen Ankerplatz aufzuwachen und direkt nach dem Aufstehen ein erstes Bad am Morgen zu nehmen. Das ist so herrlich, der schönste Moment: Raus aus der Koje, ins Wasser springen, ein bisschen schwimmen und sich erfrischen, dann eine Tasse Tee trinken und die Seele baumeln lassen…

Im Anschluss plane ich in der Regel ein bisschen den Tag und mache das Boot fertig. Ich sehe mir die Wettervorhersage an und organisiere den Törn. Es ist wichtig zu sehen, ob für das, was wir uns an einem Tag vorgenommen haben, auch das Wetter mitspielt.

Wie würdest du eure Lebensphilosophie beschreiben?

Meine Frau hat ein Buch geschrieben: „Liebe, Wind und Meer: Segeln, Kochen & Genießen – Eine kleine Anleitung zur Entschleunigung“ (erhältlich bei Amazon). Der Titel des Buches ist schon sehr aussagekräftig. Wir gehen gelassen durchs Leben und versuchen unser Leben an Bord ganzheitlich, mit allen Sinnen, zu geniessen: Das Land, die Menschen, die Natur, das Meer, die Fauna, die Fische… Meine Frau liebt es zum Beispiel, morgens die Fische zu füttern. Außerdem kochen wir gerne lecker und mögen es, guten Wein an Bord zu trinken.

Welche Fische sind das?

In Kroatien gibt es sehr viele verschiedene Fische. In den Buchten findet man alle Arten kleinerer Fische, besonders oft sieht man Brassen mit ihrem charakteristischen schwarzen Band an der Schwanzflosse. Während des Segelns begegnen wir aber auch regelmäßig Delphinen – die natürlich keine Fische sind ;-), vor allem im Frühjahr. Wir hatten auch in diesem Jahr bereits einige tolle Erlebnisse – die Delphine sind so nahe gekommen.

Was erwartet Gäste bei euch an Bord?

Wir lassen unsere Gäste in der Regel erst einmal in Ruhe ankommen. Im Anschluss zeigen wir ihnen das Boot und verstauen das Gepäck. Dann machen wir die Crew mit allen Dingen an Bord vertraut und erklären den Gästen die wichtigsten Punkte des täglichen Lebens an Bord.

Danach gibt es, bei einem Kaffe, eine kleine Besprechung der nächsten Tage und vor dem Ablegen natürlich immer die obligatorische Sicherheitseinweisung, mit dem Anpassen der Schwimmwesten, der Life Belts und einer Einweisungen, wo sich die Feuerlöscher etc. befinden. Während des Törns kann sich dann jeder selbst aussuchen, wie aktiv er am Steuern des Bootes beteiligt sein will. Es ist auch in Ordnung, wenn unsere Gäste nur mit einem Buch in der Hand an Deck entspannen und die Seele baumeln lassen.

Es ist also möglich mitzusegeln, auch wenn man nicht segeln kann?

Klar! Bei unserem letzten Törn hatten die 4 Passagiere überhaupt keine Erfahrung. Einer von ihnen war einmal auf einem Boot gewesen, aber es war für alle das erste Mal segeln. Diese Crew hat sich sehr gefreut, einen kleinen Einblick in das Segeln zu bekommen.

Es wird jedoch niemand dazu gezwungen. Meistens ist es so, dass die Gäste mit einer gewissen Distanz ankommen, da sie nicht genau wissen, was sie erwartet. Wenn es losgeht und sie merken, dass es Spass macht, sind sie aber in der Regel mit Feuer und Flamme dabei. 

Was würdest du einem Reisenden sagen, der noch nie auf einem Segelboot war?

Das er eines der schönsten Dinge im Leben bisher verpasst hat und, dass es sich unbedingt lohnt es einmal auszuprobieren. Wer ein gewisses Faible für die Natur hat und ein Stück Freiheitsgefühl mag, wird das Segeln lieben. Ein Segelboot ist ein Stück Freiheit. Wenn du ablegst und entsprechend versorgt bist hält dich nichts mehr auf.

Beim segeln stößt man nicht wie an Land ständig an Grenzen, Berge oder sonstige Hindernisse, man ist lediglich von Wetter und Wind abhängig und kann durch die ganze Welt segeln, wenn man das möchte. Dieses Gefühl der Freiheit sollte man unbedingt mal erleben. Ich kann jedem raten, es persönlich zu erfahren.